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die Basis Mainz


Gemeindegründung ist nicht mehr modern – sie ist post modern!
Interview mit Thore Runkel, Gemeindegründer von „die Basis“ in Mainz

1. Wie bist du auf den Gedanken gekommen eine Gemeinde in Mainz zu gründen?
Die Basis in Mainz zu gründen war nicht geplant. Sie ist vielmehr das Resultat von Freunden, die in einer Wohngemeinschaft lebten. Diese Personen gingen zusammen auf die Schule und haben gemeinsam Menschen von Jesus erzählt. Sie planten ihr Leben gemeinsam für Gott hinzugeben. Gemeinde war so nicht auf ihrer Agenda. Sie wollten als Lebensgemeinschaft das Reich Gottes nach vorne bringen. Der Gedanke an Gemeindegründung kam erst 2005 auf. Umgesetzt wurde dieser aber erst 2007. Also erst recht spät, weil wir vorher eine Aversion gegen Gemeinde hatten. Wir hatten nicht so positive Erfahrungen damit gemacht. Durch Gottes Wort und Heilung haben wir aber erkannt, dass Gemeinde Gottes Plan ist und wir uns im Willen Gottes befinden, wenn wir eine neue Gemeinde gründen.

2. Warum braucht Mainz noch eine Gemeinde?
Unter dieser Fragestellung sind wir nie angetreten. Ich dachte oft, ob das wirklich notwendig ist - schließlich gab es in Mainz mindestens zwei gute pfingst-charismatische Gemeinden, die wie ich meine, sehr ansprechend sind. Es gab Überlegungen, sich als Gruppe diesen beiden Gemeinden anzuschließen. Irgendwie hat Gott dies verhindert. Wir wussten zuerst nicht warum. Aber später haben wir gemerkt, dass Gott eine Gemeinde haben wollte, die eine spezielle Zielgruppe anspricht. Heute würde ich sagen: die Gruppe der postmodern denkenden Menschen. Diese Zielgruppe ist recht groß in Mainz. Dazu zählen fast alle Studenten, von denen es 35.000 gibt in der Stadt. Dann die jungen Familien und Schüler. Wir haben auch viele Medien-Leute. 60.000 bis 70.000 Menschen in Mainz fallen in das postmoderne Raster: Unter 40 Jahre alt und in der neuen Art des Denkens zuhause, das wir postmodern nennen.

3. Was war für dich in der Anfangszeit besonders hilfreich?
Zwei Dinge waren für mich sehr wichtig: Die Freundschaft zu den Leuten, mit denen ich „die Basis“ gegründet habe, Freunde, die etwas miteinander verbindet, das wirkliche Konsequenzen hat. Wir hätten alle außerhalb von Mainz studieren oder leben können. Aber wir haben gemeinsam ein Bündnis geschlossen, miteinander für Gott zu leben. Das hält uns zusammen. Zunächst einmal in WGs und später dann hier zusammen an einem Ort zu wohnen. Es war ganz wichtig für mich selbst in Freundschaften eingebunden zu sein.

Das zweite ist, dass wir als junge Männer nach ein paar Jahren einen geistlichen Vater gefunden haben, oder besser gesagt, er hat uns gefunden. Ein älterer Mann, der seine Karriere, wenn man so will, gelebt hatte, und uns daran teilhaben ließ, was er mit Gott erlebt hatte. Sein Name ist Ernst Zimmermann. Es ist eine ganz außergewöhnlich Geschichte, wie Gott uns zusammen gebracht hat. Von ihm durften wir viel lernen. Er hat uns oft auf das richtige Gleis gesetzt und uns die richtige Perspektive für uns persönlich gegeben. Er hat sich um uns gekümmert, hauptsächlich um unsere Seelen und weniger um das Vorhaben unserer Gruppe. Ekklesiologisch oder Gemeindebau technisch hat er sich nicht so eingemischt. Er war mehr an uns als Individuen interessiert. Das hat uns sehr, sehr gut getan und war für uns sehr wichtig. So hat er am Anfang zum Beispiel unsere komplette Gruppe bestehend aus 12 Personen eingeladen und alles bezahlt, weil Gott ihm das gesagt hatte.

4. Welchen Fehler würdest du nicht wiederholen wollen?
Das ist nicht so einfach zu beantworten, weil ich glaube dass wir bisher keine so gravierenden Fehler gemacht haben, dass wir sagen könnten, dieser Fehler hat uns alles gekostet. Sicherlich haben wir viele Fehler gemacht. Wir haben Menschen verloren, Menschen verletzt; das sollte nicht passieren - ist aber passiert und ich glaube, dass es weiterhin passieren wird, weil wir Menschen sind. Jeder dieser Fehler hat uns weitergebracht. Gott konnte uns korrigieren. Ich kann nicht sagen: Den oder den Fehler möchte ich nicht wieder machen. Ich weiß nicht, ob wir den großen Fehler, den wir nie wieder machen wollen und vor dem wir andere warnen möchten, schon gemacht haben. Das wird aber bestimmt noch kommen.

5. Für welche Zielgruppe ist "die-Basis" besonders attraktiv?
Wir haben zunächst ein Mal die Basis nicht bewusst Zielgruppen orientiert gestaltet, sondern wir hatten einfach auf dem Herzen, eine Gemeinschaft zu bilden, in der wir uns wohlfühlen. Im Nachhinein können wir sagen, dass wir eine Gemeinde gegründet haben für Menschen mit dem Paradigma der Postmoderne. Die Moderne hört auf, die Postmoderne beginnt. Die Maximen der Moderne lauten u.a.: Es gibt Wahrheit und Objektivität und deshalb auch die objektive Wahrheit. Glaube wird oft durch Bekenntnis definiert und abgegrenzt. Postmoderne denkt anders: Es steht nicht mehr das Bekenntnis im Vordergrund sondern viel interessanter ist, ob der Glaube funktioniert oder nicht, ob er Auswirkungen hat auf das alltägliche Leben. Die Ganzheitlichkeit des Lebens steht mehr im Vordergrund. Da die Postmoderne recht jung ist, sind die meisten unserer Leute zwischen 18 - 40 Jahre. Das kommt aber nicht daher, dass wir Rockmusik oder laute Musik im Gottesdienst spielen, sondern weil wir recht konsequent dem Paradigma der Postmoderne folgen. Es gibt auch junge Menschen, die eher modern denken und ältere Menschen, die mehr postmodern denken. Da gibt es keine Altersbeschränkungen. Aber die Fakten haben gezeigt, dass es wenige über 40 sind.

6. Wer wird sich in "die-Basis" nicht besonders wohlfühlen?
Menschen, die dem modernen Paradigma weiterhin folgen, für die es wichtig ist, die Lehre möglichst akkurat zu definieren. Wahrscheinlich auch solche, die laute Musik nicht so mögen. Und die sich daran stören, dass Couches im Gottesdienstraum stehen, und dass dieser eher einem Wohnzimmer gleicht als einem sakralen Raum. Ich glaube, dass diese Menschen am ehesten Schwierigkeiten haben werden. Sicherlich spielt hier auch unser Kleidungsstil eine Rolle, weil es letzten Endes nicht darum geht. Es geht um die Art und Weise, wie Dinge bewertet werden.

7. Ihr baut Gemeinde für eine ganz bestimmte Generation. Was passiert mit der Gemeinde, wenn diese Generation alt und grau ist?
Es ist uns klar, dass wir als Generation unsere Generation erreichen können und eben auch, so glauben wir, nur unsere Generation. Von daher ist es unser Wunsch und Gebet, die Schlüssel des Gemeindegebäudes bildlich gesprochen an eine jüngere Person zu übergeben, wenn wir älter sind, und sie zu segnen und ihr das Recht zu geben, mit der Gemeinde zu machen was sie will. Ob sie diese nun zusammenfaltet und in den Papierkorb wirft oder ob sie die Gemeinde übernimmt und reformiert, bleibt ihr überlassen. Aber wir bauen nicht eine Gemeinde, die auf jeden Fall die nächsten 500 Jahre überleben muss, auch wenn die Gemeinde von Jesus als geistliche Gemeinde das tun wird. Aber unsere Gemeinde hat Relevanz für diese Generation und was danach kommt, sei dahin gestellt. Ich hoffe nur, dass wir als ältere Menschen die nächste Generation unterstützen werden in ihrer Vision, ihre eigene Generation zu erreichen.
8. Welche Bedeutung hat Mitgliedschaft bei euch?
Mitgliedschaft ist sicherlich ein Thema gewesen, um herauszufinden wer dabei ist und wer nicht. Wir haben aber festgestellt, dass es echt schwer ist, das so einfach einzuteilen. Häufig ist es so, dass Menschen zuerst dabei sein wollen, bevor sie Christen werden. Sie werden nicht zuerst Christen und dann Mitglieder. Von daher ist die Mitgliedschaft als Unterscheidungskriterium kein adäquates Mittel und kein sicheres Mittel. Deshalb haben wir so was wie eine Mitgliedschaft nicht. Das hat auch einen ganz pragmatischen Grund: Ich habe niemanden gefunden, der die Mitgliedsliste pflegt... Aber es ist schon an der Stelle gescheitert, wo wir gemerkt haben, dass es ziemlich schwierig ist zu definieren, was ein Mitglied ausmacht. Natürlich haben wir so was wie Kriterien, an denen wir irgendwo merken welche Menschen ein höheres Commitment haben oder nicht. Das lässt sich jedoch nicht auf rein objektive Art feststellen. Wir wissen, dass eine Unterschrift auf einem Stück Papier die Verbindlichkeit nicht wirklich erhöht, sondern dies allein über Beziehungen geschieht.

9. Welche Pläne habt ihr für die nächsten fünf Jahre?
1. Wir haben aktuell ein neues Gebäude, das wir renovieren oder renovieren lassen. Das wird eine ganz zentrale Rolle spielen für unser Strategie der nächsten fünf Jahre. Das Gebäude ist so gewählt, dass es unsere Zielgruppe extrem anspricht. Es befindet sich auf einem Industriegelände, das Alte Waggonfabrik heißt in Mainz, zusammen mit anderen Künstlerateliers, Tanzstudios und Event-Locations. Dort befindet sich unsere Gemeinde. Wir glauben, dass Clubs und Discos so ähnlich gestaltet sein werden wie unser Gemeindehaus. Das wollen wir einsetzen, um ein Gefühl von zuhause zu erzeugen. Gleichzeitig setzen wir auch ganz stark auf die erfahrbare Gegenwart Gottes. Also, dass wirklich eine Begegnung zwischen Menschen und Gott an diesem Ort stattfindet. Das wollen wir unterstützen. Die sakrale Atmosphäre werden wir dann durch entsprechende Technik kreieren und hoffen, dass Menschen dadurch angesprochen werden.
2. Wir werden unseren Internetauftritt verbessern und mehr Filme drehen. Da ist noch sehr viel Potential in Deutschland. Wir würden uns gerne dieser Aufgabe widmen, weil wir die Notwendigkeit dafür sehen, um unsere postmoderne Generation zu erreichen.
Das Interview führt James Ros mit Thore Runkel von „die Basis“ Mainz

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